Bereich der konsumgüter

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Einleitung

Im heutigen 21. Jahrhundert gehören Zertifizierungen im Bereich der Konsumgüter schon zum Alltag. Dabei sind sie ein Zeichen für die Erfüllung von Minimumstandards, Sicherheit und Qualität. Kaufentscheidungen werden daher von Zertifizierungen wie zum Beispiel dem Gütesiegel oder dem Fair-Trade-Siegel in hohem Maße beeinflusst. Hinter diesen Zertifizierungen stehen Ideale und Gerechtigkeitsbemühungen, die die Verbraucher durch den entsprechenden Erwerb unterstützen. Dabei geht es zum Beispiel um gerechte Bezahlung in den An-und Abbauregionen, menschenwürdige Arbeitsmaß-nahmen und gerechte Verteilung jeglicher Einnahmen.

Zertifizierungssysteme sind von Land zu Land verschieden und stehen lediglich unter nationaler Verantwortlichkeit. In Deutschland haben sie große Bedeutung bekommen und ermöglichen Verbrauchern Vertrauen zu Unternehmen oder Produkten aufzubauen, die durch diese Zertifizierungen ihre ideologischen Ansprüche erfüllen. Verbraucher sind des Weiteren dazu bereit für ein zertifiziertes Produkt einen höheren Preis zu zahlen, da hinter jeder organisierten Zertifizierung hohe finanzielle Aufwände stecken, die nur durch Förderung, Spenden und höhere Verkaufspreise aufgebracht werden können.

Auf dieser Basis gilt es zu erörtern, ob die Regelungen, die im Bereich der Konsumgüterzertifizierung zutreffen, auf Rohstoffe übertragen werden können. Dabei werden in dieser Hausarbeit ausschließlich Diamanten, die in Afrika abgebaut werden, betrachtet.

In Afrika werden unter menschenverachtenden Bedingungen Diamanten illegal abgebaut und diese illegal exportiert. Mit dem erwirtschafteten Geld werden schließlich Rebellionen und Kleinkriege innerhalb des Landes finanziert. Als dies teilweise an die öffentlichkeit geriet und in den Medien zum Thema wurde, wollte man durch entsprechende Maßnahmen den bis dahin makellosen Ruf des Diamanten - der für Schönheit, Stärke und Liebe steht - retten. Erste

Schritte wurden dadurch getätigt, dass sich Vereine und Institutionen mit dem Ziel, die Zustände in Diamantenregionen zu verbessern und den illegalen Export der Diamanten einzudämmen, zusammengefunden haben. Aber der bis jetzt wichtigste Schritt ist die Einführung eines weltweiten Zertifizierungs-systems im Jahre 2003, das verhindern soll, dass der Ruf des Diamanten beschädigt wird. Weiterhin soll dieses System für den legalen Transport von Diamanten und menschenwürdige Abbaubedingungen sorgen.

In dieser Hausarbeit wird der Frage, ob Zertifizierungen von Rohstoffen, insbesondere Diamanten, den Handel und Schmuggel mit sogenannten Blutdiamanten verhindern beziehungsweise vermindern können, nachgegangen. Es wird auf eine Auswahl afrikanischer Staaten eingegangen, in denen der illegale Diamantenschmuggel großen Einfluss hatte und Bürgerkriege gegen die Regierung finanzierte. Hierbei betrachtet wird Sierra Leone und Angola. Im Anschluss daran steht der Kimberley Prozess im Mittelpunkt, welcher das internationale Zertifizierungssystem für Diamanten darstellt. Zum Schluss gilt es die Frage, ob Zertifizierungen von Diamanten eine Lösung für die Probleme sind, zeitgemäß begründet, zu klären.

Definition Konfliktdiamanten

Konfliktdiamanten, die auch als Blutdiamanten bezeichnet werden, sind allgemein betrachtet Diamanten, die Kriege in Afrika gegen die legitime, nicht zwingend demokratische, Regierung finanzieren. Dennoch gibt es viele mögliche Definitionen, auf die in dem Dokument „Hard Currency: The Criminalized Diamond Economy of the Democratic Republic of Congo and its Neighbours" [1] ausführlicher hingewiesen wird.

Der Kimberley Prozess, auf den in einem späteren Punkt genauer eingegangen wird, hat unter Berücksichtigung weiterer, speziellerer Definitionen schließlich folgende formuliert: „Konfliktdiamanten sind ungeschliffene Diamanten, die von Rebellenbewegungen oder ihren Verbündeten zur Finanzierung von Konflikten verwendet werden und darauf abzielen die legitime Regierung zu untergraben", wie es in relevanten Beschlüssen des UN Sicherheitsrats (UNSC), sofern sie in Kraft bleiben (oder in ähnlichen UNSC Beschlüssen, die in Zukunft angewandt würden) beschrieben und in dem Beschluss 55/56 der UN Generalversammlung verstanden und anerkannt wird.

Der Sicherheitsrat hat anfangs nur Sanktionen für Diamanten aus Liberia, Angola und Sierra Leone, die noch nicht von den Regierungsbehörden zertifiziert wurden, verhängt. Eine weitere Definition, die im Dezember 2000 von der UN Generalversammlung unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Blutdiamanten aus den oben genannten Rebellengebieten wegen Missachtung der UN Sanktionen stammen, vorgeschlagen wurde: „...unter Konfliktdiamanten versteht man ungeschliffenen Diamanten, die von Rebellenbewegungen verwendet werden, um ihre militärischen Tätigkeiten zu finanzieren, einschließlich von Versuchen die legitime Regierung zu untergraben oder gar zu stürzen."

Der Bezug zu „legitimer Regierung" in diesen Definitionen könnte hierbei zu verschiedensten Interpretationen führen und die Unterscheidung zwischen konflikthaltigen und konfliktfreien Diamanten ist bei Betrachtung der in Zentralafrika vorherrschenden Umstände sehr kompliziert.

Die artisanale Produktion in Angola und der Demokratischen Republik Kongo (DRC) wird durch die Betrachtung, wer die Diamantenschürfer kontrolliert und wer diese Diamanten kauft, klassifiziert. In Angola produzieren die sogenannten garimpeiros zum einen Konfliktdiamanten in den Gebieten, die unter UNITA-Kontrolle stehen und zum anderen legale Diamanten, sofern sie in Regierungsgebieten schürfen. Da garimpeiros zumeist ohne Lizenz arbeiten und die von der FAA (Regierung) und UNITA beeinflussten Zonen fluktuieren oder lediglich durch einen Fluss getrennt sind, ist es höchst problematisch zwischen „guten" und „bösen" garimpeiros zu unterscheiden.

Auf die Situation in Angola gehen wir allerdings in einem späteren Punkt detaillierter ein.

Eine letzte Definition, die ein weiteres Merkmal des Konfliktdiamantenabbaus verdeutlicht, stammt von Fatal Transactions, einer Vorreiterkampagne des Kimberley Prozesses. Sie sagt aus, dass Blutdiamanten Diamanten sind, „aus deren Erlös bewaffnete Konflikte finanziert werden [und] die unter systematischen Menschenrechtsverletzungen abgebaut wurden."[2]

Es ist unschwer zu erkennen, dass sich die Definitionen im Großen und Ganzen gleichen. Sie beinhalten alle eine Kernaussage (Diamanten dienen zur Finanzierung von militärischen Aktivitäten gegen die Regierung des Landes) und werden je nach Institution beziehungsweise Organisation durch Einzelheiten ergänzt.

Um nun den Zusammenhang darzulegen, warum es notwendig ist, den Schmuggel mit Blutdiamanten zu vermindern oder gar zu verhindern, wird auf die Geschichte zweier afrikanischer Staaten eingegangen und der Einfluss der Diamanten verdeutlicht dargestellt.

Dabei wurde im ersten Abschnitt, der Geschichte Sierra Leones, vorrangig eine veröffentlichte Broschüre des Vereins medico international e.V. als Grundlage genutzt[3]. Die in chronologischer Reihenfolge geordneten geschichtlichen Daten und auch Zahlen stammen von einer im Internet freigegebenen übersicht des Auswärtigen Amtes Deutschlands.[4]

Geschichte afrikanischer Staaten

Sierra Leone

Freetown, 1791 als Unterkunft für emanzipierte Sklaven an der Küste Sierra Leones gegründet und von der Sierra Leone Company regiert, ist heute die Hauptstadt des Landes und soll nur knapp mehr als 200 Jahre später zum Dreh- und Angelpunkt der Diamantengeschichte im Westen Afrikas werden.

Sierra Leone war am Anfang des 19. Jahrhunderts eine britische Kolonie. Eine Konstitution Mitte des 20. Jahrhunderts führte schließlich zur Selbstregierung des afrikanischen Staates.

Die Sierra Leone People's Party (SLPP) wird gegründet und fungierte ab 1957 als Staatsoberhaupt einer parlamentarischen Demokratie. Nach 10 Jahren Regierungszeit gewann der All People's Congress (APC) die Wahlen, dessen Regierungszeit allerdings erst ein Jahr später tatsächlich eintrat, da das Militär zwischenzeitlich die Macht innehielt. Der Außenminister und Gründer des

APC, Siaka Stevens, wurde 1971 Präsident der Republik Sierra Leone, und eliminierte die SLPP, wodurch der APC schon wenige Jahre später praktisch die einzig erlaubte Partei der Republik ist. Joseph Saidu Momoh trat 1985 die Nachfolge Stevens an. Infolge dessen kennzeichnete sich die Regierung des APC zunehmend durch Machtmissbrauch.

Die auf Korruption basierende Regierung, die sich seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1961 bis in die 1990er Jahre etablierte, brachte der Bevölkerung hohe Anteile an Arbeitslosigkeit und Analphabetismus. Dies und die zunehmende Militarisierung des Landes begünstigten den Kriegsausbruch im Jahre 1991.

Der Eingriff Sierra Leones im Nachbarstaat und Bürgerkriesland Liberia zugunsten der dortigen Regierung stellt allerdings den Auslöser dar. Der Rebellenführer Charles Taylor übernahm die Macht, woraufhin ein Teil seiner Verbündeten - die Revolutionary United Front (RUF) - unter anderem aus Interesse am Diamantvorkommen in Sierra Leone im März 1991 einfiel.

Nachdem die RUF anfänglich eine gerechte Verteilung des sierra leonischen Reichtums propagierten, wurde bald klar, dass Verstümmelung ein essentieller Teil ihrer Kriegsführung gegen die Zivilbevölkerung, die auf eine bessere Zukunft hoffte, waren: Eltern, die ihre Kinder vor Entführung zu schützen versuchten, wurden Gliedmaßen abgehackt; Kinder wurden unter Einfluss von Drogen zum Kriegsdienst gezwungen und ihren Familien entrissen - um zur Verdeutlichung zwei Beispiele zu nennen.

Die Finanzierung des Krieges gegen die Regierung verlief über Mittelsmänner in verschiedenen Etappen: Charles Taylor importierte Waffen nach Sierra Leone, die größtenteils aus Europa stammten, und tauschte sie mit der RUF gegen Diamanten.

Ein Kampf um die Kontrolle der Rohstoffe und gegen die korrupte Regierung entfachte und stellt den Anfang eines von nun an 11 Jahre dauernden Bürgerkriegs dar, welcher erst 2001 sein Ende findet. Im folgenden Jahr gelang dem Präsidenten der SLPP bereits ein überwältigender Wahlsieg.

Die grausame Geschichte Sierra Leones war lange Zeit über des Kontinents Grenzen hinaus kaum bekannt. Aufmerksam wurde die internationale Presse und Weltöffentlichkeit erst 1999 als die RUF die Hauptstadt Freetown zerstörten.[5]

Zudem veröffentlichte im selben Jahr die britische Forscherorganisation Global Witness eine Studie zur Verflechtung internationaler Diamantenkonzerne im internationalen Diamantenhandel. Daraus ergab sich, dass internationale Diamantenkonzerne Konfliktdiamanten handelten und somit die Kriege Afrikas mitfinanzierten. Der südafrikanisch-britische Diamantenhandels-monopolist De Beers geriet hierbei in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Er wurde verdächtigt, in die illegalen Importe von Konfliktdiamanten, Exporte von Waffen und somit externe Kriegsfinanzierung in Sierra Leone verstrickt zu sein und konnte bis heute jegliche Schuld nicht von sich weisen.

1930 wurden erstmalig Diamanten im Osten des Landes gefunden und bekamen schnell hohe Bedeutung zugesprochen.[6] Sie wurden bald darauf einerseits zum wichtigsten Exportartikel des Landes, andererseits sahen die Regierung, Rebellengruppen und Diamantenkonzerne wie De Beers das Potenzial, möglichst viel Profit zu machen. Somit wurden die Diamanten schnell zur Finanzquelle, um Rebellionen, den Bürgerkrieg und das Rebellenleben zu finanzieren.

Die Auswirkungen[7] des Krieges in Sierra Leone können anhand von veröffentlichten Zahlen der UNO nachvollzogen werden: 5000 Kindersoldaten, 20.000 Amputierte, und mehr als 50.000 vergewaltigte Frauen und versklavte Männer. Des Weiteren wird geschätzt, dass die RUF durch den Handel von Konfliktdiamanten in den Jahren von 1999 bis 2001 einen Erlös zwischen 25 und 125 Millionen US Dollar erzielte.[8] Hierbei ist zu beachten, dass die Hauptabnehmer auf dem europäischen Markt zu finden waren.

Dieser Bürgerkrieg hat bis zum heutigen Tage seine Spuren hinterlassen, seien es Menschen, denen zu Kriegszeiten Gliedmaßen abgeschlagen wurden, 1/3 der Neugeburten, die vor Erreichen des 5. Lebensjahres sterben, der hohe Analphabetenanteil (70%) der Bevölkerung oder die zähe Entwicklung, die Sierra Leone auf den letzten Platz des UN Entwicklungsindex bringt.

Zusätzlich muss aber betrachtet werden, dass Sierra Leone kein Einzelfall ist. Um einen umfassenderen Einblick zu gewähren, wird nun noch die Geschichte Angolas näher betrachtet.

Die Grundlage zur chronologischen Darlegung des Geschichtsverlaufes stellte hierbei eine im Internet veröffentlichte geschichtliche übersicht des Auswärtigen Amtes Deutschlands. [9]

Angola

Angola gilt als das viert reichste Land der Welt, allein bezogen auf seine Ressourcen. Dieser Reichtum ist jedoch auch Grund für die extreme Armut, in der die Bevölkerung dieses afrikanischen Staates lebt. Den Zustand, dass extreme Armut und hoher Reichtum gleichzeitig auftreten, bezeichnet man auch als „the paradox of plenty". Ein weiteres Merkmal des Landes ist, dass hier über 40 Jahre lang Krieg herrschte, was einmalig in der Historie des gesamten afrikanischen Kontinents ist. Der Verlauf der Geschichte erklärt den langen Krieg und „the paradox of plenty".

1483 landete der portugiesische Seefahrer Diogo Cäo in Angola. Die Portugiesen begannen schon früh die Gesellschaftsformen der Völker zu beeinflussen und errichteten in den folgenden Jahren Handelsstationen entlang der Atlantikküste und an der Kongomündung. 1576 gründen sie schließlich ihren ersten Stützpunkt Luanda, heute die Hauptstadt des Küstenstaates. Nachdem Angola kurzzeitig unter holländische Kontrolle geriet (von 1641 bis 1648), wurde das Land letztlich portugiesische Kolonie. Die Portugiesen begannen rasant mit der Besiedelung, Erforschung und Unterwerfung der angolanischen Königreiche und Ethnien des Hinterlandes. Doch erst 1941 waren alle angolanischen Völker komplett unter portugiesische Kontrolle gebracht.

In den Fünfziger Jahren gründeten sich schließlich Widerstandsbewegungen zur Befreiung Angolas. Dabei gibt es drei bedeutende Gruppen: die MPLA[10], die UNITA[11] und schließlich die FNLA[12].

1961 bricht der Krieg gegen die portugiesischen Besatzer aus, der 13 Jahre andauerte und schließlich 1974 mit Angolas Unabhängigkeit endete. Im selben Jahr noch sollten Wahlen stattfinden, die aber durch interne Machtstreitigkeiten der einzelnen Widerstandsbewegungen letztlich nicht zustande kamen. Dies war der Auslöser des Bürgerkrieges zwischen der UNITA und der MPLA, die sich in einem sogenannten Stellvertreterkrieg gegenüberstanden. Dabei forderte die UNITA eine kapitalistische Entwicklung des Landes und bezog Waffen und weitere politische Unterstützung aus den USA und Südafrika. Die MPLA hingegen kämpfte für den Sozialismus und bekam Hilfe seitens Kuba und der ehemaligen UdSSR.

Nach langen Verhandlungen kam es unter Vermittlung der USA 1988 zu einem Abkommen zwischen Südafrika, Angola und Kuba über einen Zeitplan für den Abzug der kubanischen Truppen. 1990 stimmte die MPLA dem übergang zum Mehrparteiensystem zu. Bei den ersten Wahlen 1992 liegt der MPLA Kandidat dos Santos etwa 9% vor seinem Gegner Savimbi und erbrachte somit seiner Partei den Wahlsieg[13]. Die UNITA erkannte das Ergebnis nicht an, griff erneut zu Waffen und entfachte einen neuen Bürgerkrieg. Beide Seiten sahen sich allerdings einem neuen Problem ausgesetzt - die finanzielle Basis ist zusammengebrochen und sie mussten sich neue Geldquellen suchen. Hierbei konzentrierte sich die MPLA auf den Handel mit ölgesellschaften, wohingegen die UNITA die Kontrolle über den Diamantenabbau und - handel bekam und Kontakte zu dem derzeitigen Diamantenhandelsmonopolist De Beers etablierte. 1998 verhängte die UN Sanktionen gegen die Konfliktdiamanten der UNITA, da diese den Beschluss 11/76 ignorierten, welcher u.a. den direkten oder indirekten Export inoffizieller Diamanten aus Angola, d.h. Diamanten, die nicht mit einem Herkunftszeugnis von der Regierung ausgestattet sind, verbietet. Dies führte zu einem spürbaren Rückgang des Konfliktdiamanten-handels und schwächte die UNITA finanziell. Dies bedeutete aber noch nicht das Ende des Krieges, welches erst vier Jahre später eintritt, als im Februar 2002 der UNITA-Führer Savimbi ermordet wird. Schon zwei Monate später, also im April, kommt es zur Unterzeichnung eines Friedensvertrags. Aus einem Antikolonialkrieg wurde ein Stellvertreterkrieg des Kalten Krieges und schließlich ein Bürgerkrieg mit ethnischer Dimension - nach über 40 Jahren kommen die bewaffneten Konflikte endlich zum Erliegen.

Der Kimberley Prozess

Nachdem nun schon definiert wurde was Blutdiamanten sind und welche Folgen sie mit sich bringen, wird nun im folgenden Abschnitt näher auf den Kimberley Prozess eingegangen, wobei unter anderem erklärt wird was er ist, wie es zur Entstehung eines solchen Systems kam, wer involviert ist, wie der Kimberley Prozess organisiert ist, welche Schwächen es gibt und als Letzteres wird auf offizielle Verbesserungsvorschläge eingegangen.

Was ist der Kimberley Prozess?

Der Kimberley Prozess ist ein internationales Zertifizierungssystem, das den Rohdiamantenhandel kontrollieren soll. Es ist weder eine internationale Organisation noch ein internationales Abkommen, sondern ein Selbstverpflichtungssystem, das jedem Teilnehmerstaat freistellt, die Regelungen einzuführen. Jedes Land, das sich dazu entschließt, die Regelungen zu implementieren, hat bestimmte Verpflichtungen[14]. Demnach muss jedes Mitglied angemessene Gesetze oder Verordnungen erlassen, die die Einführung bzw. Durchsetzung erleichtern. Des Weiteren gilt es, eine Im- und Exportbehörde einzurichten, die der internen Kontrolle dienen soll. Diesbe-züglich sollen auch Kontrollsysteme eingerichtet werden, die sicherstellen, dass Konfliktdiamanten vom Rohdiamantenhandel ausgeschlossen werden. Außerdem muss jeder Im- oder Export von Rohdiamanten in einem aufbruchsicheren Behälter befördert werden, dem ein Zertifikat, das von der Regierung ausgestellt wurde, beigefügt ist. Weiterhin wird darauf Wert gelegt, dass Daten über den Im-und Export von Rohdiamanten gesammelt werden. Diese Daten sollen den Mitgliedern zum Austausch dienen und dazu beitragen, dass die Mitglieder sich untereinander beraten. Darüber hinaus wird jedem einzelnen Mitglied nahe gelegt, aufmerksam andere Teilnehmer zu beobachten, um dem Vorstand des Kimberley Prozesses einen eventuellen Verstoß zu melden.

Durch diese Regelungen hat der Kimberley Prozess also zum Ziel, den Handel mit Konfliktdiamanten zu unterbinden und dadurch den Handel von legalen Diamanten zu schützen.[15] Die Diamanten der Mitglieder machen ungefähr 99,8% [16] der Rohdiamantenproduktion weltweit aus und dürfen nur noch innerhalb der Mitgliedsstaaten gehandelt werden, um so das Eindringen von Konfliktdiamanten in das System und damit auch in Vertriebs- und Vermarktungswege, zu verhindern.

Entstehung

Da die Entstehung dieses Zertifizierungssystems ein sehr komplexer Vorgang war, wird dies im folgenden Abschnitt etwas genauer betrachtet. Die Angaben beruhen größtenteils auf einen Zeitstrahl des World Diamond Councils.[17]

Das Zustandekommen des Kimberley Prozesses begann als die britische Forscherorganisation Global Witness 1998 durch die „Combating Conflict Diamonds"-Kampagne die Rolle der Diamanten bei der Kriegsfinanzierung enthüllte.[18] In Folge dessen geriet die Diamantenindustrie in das Rampenlicht und internationaler Druck entstand. Wie schon zu einem früheren Zeitpunkt erwähnt, brachte 1999 eine ebenfalls von Global Witness verbreitete Studie weitere Erkenntnisse über die Rolle von Konfliktdiamanten im internationalen Diamantengeschäft und zeigte, dass insbesondere der Diamantenkonzern DeBeers mit der Rebellenorganisation UNITA in Angola Diamanten gehandelt habe. Dies führte dazu, dass erneut das Bild der bis vor kurzem noch makellosen Diamantenindustrie beschädigt wurde. Am 3. Oktober 1999 wurde von Medico International (deutsch), dem Netherlands Institute for Southern Africa (NIZA, niederländisch), dem IPIS-Institut (belgisch) und Global Witness (britisch) die Kampagne Fatal Transactions gegründet, wobei Global Witness der Initiator war. Fatal Transactions hat zum Ziel, den Rohstoffhandel in Kriegsgebieten öffentlich zu machen und setzt sich für Menschenrechte ein. Als die menschenverachtenden Abbaubedingungen weiterhin die öffentlichkeit schockierten, fanden sich am 11./12. Mai 2000 Regierungen, Vertreter der Diamantenindustrie, Global Witness und Partnership Africa Canada in Kimberley, Süd Afrika zusammen, um über Konfliktdiamanten und damit einhergehende Probleme zu diskutieren. Dieses Treffen signalisierte den Anfang des Kimberley Prozesses. Zwei Monate später, im Juli 2000, wurde der World Diamond Council von der World Federation of Diamond Bourses und der International Diamond Manufacturers Association in Antwerpen, Belgien gegründet. Dieser repräsentiert die Diamantenindustrie und hat später einen bedeutenden Beitrag zu dem Kimberley Prozess geleistet. Ein erster Schritt zu der Erstellung eines internationalen Zertifizierungssystems geschah, als die UN Generalversammlung am 1. Dezember 2000 den Beschluss 55/56 erlassen hat, der ein allgemeines Grundgerüst für die Einführung eines globalen Zertifizierungssystems formulierte. Weiterhin bat die UN darin die einzelnen Regierungen, dieses Grundgerüst auszuarbeiten und detaillierte Vorschläge darüber zu machen, wie dieses System eingeführt werden könnte.[19] Das Ergebnis dieser Ausarbeitung wurde auf einer Sitzung in Garborone, Botswana vom 26.-28. November 2001 verkündet. Die Teilnehmer haben Minimumstandards festgelegt, an denen sich jeder Teilnehmerstaat orientieren sollte. Die UN Generalversammlung hat daraufhin am 13. März 2002 den Beschluss 56/263 erlassen, in dem die detaillierten Vorschläge zur Ausarbeitung willkommen geheißen wurden und darum gebeten wurde, die Fertigstellung und die Inkraftsetzung des Kimberley Prozesses schnellst-möglich durchzuführen.[20] Weiterhin hat der World Diamond Council das System of Warranties entworfen, das eine Ausweitung des Zertifizierungs-systems darstellen sollte. Die Mitgliederstaaten stimmten dem sofort zu. Am 4./5. November 2002 kamen schließlich alle teilnehmenden Länder in Interlaken in der Schweiz zusammen. An diesem Tag haben 37 Nationen - einschließlich der Europäischen Gemeinschaft - das Kimberley Process Certification Scheme unterschrieben. Laut Kimberley Process Certification Scheme sollte der Kimberley Prozess am 1. Januar 2003 in Kraft treten. Jedoch haben sich viele Mitgliederstaaten wie z.B. die USA und Großbritannien nicht genügend vorbereitet und die Einführung fand nur teilweise statt. Als erstes Land in der Geschichte des Kimberley Prozesses wurde Südafrika an diesem Tag zum Vorsitz ernannt. Nach weiteren gesetzten Fristen wurde der Kimberley Prozess schließlich am 31. Juli 2003 in allen Teilnehmerstaaten erfolgreich eingeführt. Von nun an war der Rohdiamantenhandel nur noch unter Mitgliedern möglich.

Nachdem nun ersichtlich wurde, dass der Kimberley Prozess durch viele engagierte Organisationen zustande kam, wird nun im nächsten Punkt näher betrachtet, welche wichtigen Institutionen sich dahinter verbergen.

Wer ist involviert?

Seit Januar 2009 befinden sich 49 Staaten auf der Teilnehmerliste des Kimberley Prozesses. Mexico wurde am fünften des Monats neu aufgenommen und die Elfenbeinküste und Venezuela wurden gestrichen[21]. Diese 49 Staaten repräsentieren insgesamt 74 Länder, wobei die Europäische Gemeinschaft als ein Mitglied zählt. Diese Teilnehmer erfüllen alle Anforderungen der gesetzten Minimumstandards und dürfen nicht mit Ländern handeln, die keine Mitglieder des Kimberley Prozesses sind.

Sogenannte Observierer, die seit Beginn des Kimberley Prozesses, wenn nicht sogar schon davor, wichtige Einflussfaktoren darstellten, nehmen auch heute noch eine sehr elementare Rolle bei der Aufrechterhaltung des Kimberley Prozesses ein. Observierer sind die Industrie zum Einen und Zilvilgesell- schaften zum Anderen. Sie beobachten die Effektivität des Systems und stellen technische und administrative Fachkenntnis zur Verfügung. Momentan gibt es drei Hauptobservierer: den World Diamond Council, der die Industrie repräsentiert und Global Witness und Partnership Africa Canada, die die Zivilgesellschaft vertreten. [22]

Observierer, Teilnehmerstaaten und Bewerberstaaten nehmen jedes Jahr an einer Vollversammlung teil, auf der das Hauptthema die Einführung und die Bewertung des Kimberley Prozesses ist.

Global Witness ist, wie schon vorher erwähnt, eine britische Forscher-organisation, die 1993 gegründet wurde und die bisher wahrscheinlich am Meisten zu der Entstehung des Kimberley Prozesses beigetragen hat. Sie ist bekannt dafür, die korrupte Ausbeutung von natürlichen Ressourcen und inter-nationalen Handelssystemen zu enthüllen, um Kampagnen zu initialisieren, die Rohstoffkonflikte beenden sollen und die sich für Menschenrechte einsetzen. Global Witness ist wohl vor allem dafür verantwortlich, dass Rohstoffkonflikte zum internationalen Thema wurden.

Wie schon vorher bemerkt, wurde der World Diamond Council [23] (WDC) im Juli 2000 gegründet. Grund dafür waren die Menschenrechtsverletzungen in diamantenabbauenden Ländern in Nord Afrika. Die obersten Ziele des WDC sind die Entwicklung, Einführung und Beaufsichtigung eines Verfolgungs- systems, das die Ausbeutung der Diamanten für illegale Zwecke zu verhindern versucht. Eli Izhakoff, ehemaliger Vorsitzender der World Federation of Diamond Bourses, wurde zum Vorsitzenden ernannt. Heutzutage repräsentiert der WDC über 50 Industriegesellschaften weltweit. Darunter zählen zum Beispiel auch Cartier, Tiffany & Co. und De Beers. Am 13. März 2002 hat der WDC auf einer Kimberley Prozess Versammlung das System of Warranties vorgestellt, das eine Ausweitung des Kimberley Prozesses darstellen soll. Es wurde noch am selben Tag mit in die Regelungen des Kimberley Prozesses aufgenommen und ist deshalb ebenfalls Pflicht. Die Diamantenindustrie hat damit ein System von Nachweisen erschaffen, das dazu dient, das Vertrauen der Kunden in die Bezugsquellen ihrer Diamanten zu stärken. Das System of Warranties besagt, dass jeder Käufer wie Verkäufer eine schriftliche Erklärung abgeben muss, die eine Garantie dafür gewährt, dass die verkauften Diamanten - ungefasst oder verarbeitet - aus konfliktfreien Bezugsquellen stammen. Die Erklärung, die die Käufer und Verkäufer auf allen Rechnungen abgeben müssen, lautet wie folgt: „The diamonds herein invoiced have been purchased from legitimate sources not involved in funding conflict and in compliance with United Nations Resolutions. The undersigned hereby guarantees that these diamonds are conflict free, based on personal knowledge and/or written guarantees provided by the supplier of these diamonds." [24] Diese Rechnungen müssen für mindestens fünf Jahre aufgehoben werden und sollen so eine einfachere Zurückverfolgung durch eine lückenlose Kette systematischer Bezugsquellennachweise ermöglichen. Falls gegen diese Regelungen verstoßen wird, könnte dies dazu führen, dass der jeweilige Händler von der Diamantenindustrie ausgeschlossen wird.

Ebenfalls von Bedeutung ist Partnership Africa Canada (PAC), eine Oganisation, die sich vor allem für Menschenrechte und Entwicklungen in Afrika einsetzt. Weiterhin will PAC anderen Zivilgesellschaften dabei zur Seite stehen, sich bezüglich der Entwicklung in Afrika mehr in Forschungsarbeiten, politischen Diskussionen und Interessenverbänden einzubringen. Sie wurde 1986 mit Unterstützung von der Canadian International Development Agency und Kanadischen und Afrikanischen NGOs gegründet. Seit 1999 engagiert sich PAC aktiv für die Bekämpfung von Konfliktdiamanten.

Nicht direkt involviert, jedoch immer noch sehr wichtig für die Verbesserung des Kimberley Prozesses, ist auch die Zivilgesellschaft Network Movement for Justice and Development und die Kampagne Fatal Transactions.

Fatal Transactions [25], [26] setzt sich dafür ein, die Verlinkung zwischen Kriegen und deren Finanzierung mit Rohstoffen öffentlich zu machen. Ein weiteres zentrales Ziel ist es, effektive internationale Kontrollen zu errichten, um den kriegsfördernden Handel einzudämmen und damit die gerechte Verteilung von Reichtümern zu bewirken. Besonders aber fordert Fatal Transactions auch, dass transnationale Konzerne sich aus den Diamantengeschäften zurückziehen und für die Beseitigung der Kriegsschäden zur Verantwortung gezogen werden. Fatal Transactions dient ebenfalls als ein Kritiker des Kimberley Prozesses und versucht Schwächen des Systems zu verdeutlichen. Für deren Beseitigung setzt sich Fatal Transactions aktiv ein.

Schon während des Bürgerkriegs in Sierra Leone hat das Network Movement for Justice and Development [27] (NMJD) versucht die katastrophalen Arbeits-bedingungen in den Diamantenminen publik zu machen. Seit Kriegsende treibt diese Zivilgesellschaft, die 1988 in Sierra Leone gegründet wurde, die Gründung von Gewerkschaften im Minensektor voran und verhandelt mit der Regierung über eine Reform der Besitzverhältnisse der Minen. NMJD fordert vor allem die Diversifizierung der Wirtschaft, den Stopp von Vertreibung und Enteignung, bessere Löhne für Minenarbeiter und Wiederaufbaumaßnahmen für alle Bewohner in Minenregionen.

Organisation

Für die erfolgreiche Einführung und Durchsetzung des Kimberley Prozesses bedarf es einer organisierten Struktur, die die Zusammenarbeit leicht macht und es ermöglicht Mitgliederstaaten zu überwachen, Schwächen aufzudecken und Neuerungen, die das System verbessern sollen, durchzusetzen.

Der Kimberley Prozess verfügt insgesamt über vier grundlegende Instanzen[28]. Alle Instanzen bestehen aus Mitgliederstaaten und Observierern.

Der Vorsitz bzw. der stellvertretende Vorsitz befindet sich in der obersten Instanz. Die Aufgabe des Vorsitzes ist es, stets die Einführung des Kimberley Prozesses in neuen Mitgliederstaaten zu überwachen, um eventuell auftretenden Schwierigkeiten vorzubeugen. Des Weiteren überwacht der Vorsitz die Tätigkeiten der Arbeitsgruppen und der Komitees und beaufsichtigt die generelle Verwaltung des Kimberley Prozesses. Der stellvertretende Vorsitz wird im darauf folgenden Kalenderjahr zum neuen Vorsitz ernannt und übernimmt damit die Aufgaben des vorherigen Vorsitzes.

Das Sekretariat befindet sich in zweiter Instanz und arbeitet eng mit allen anderen Instanzen zusammen. Es ist dafür verantwortlich Versammlungen für die Arbeitsgruppen zu organisieren, für den Austausch von Daten zwischen den Mitgliedern zu sorgen und die Kimberley Prozess Webpage Instand zu halten. Weiterhin ist das Sekretariat auch für andere, vom Vorsitz zugeteilte, Aufgaben verantwortlich.

Auf der letzten Ebene befinden sich die Arbeitsgruppen, in der dritten Instanz, zusammen mit den Komitees, in der vierten Instanz. Die Arbeitsgruppen[29] kontrollieren die Einführung des Kimberley Prozesses, stellen sicher, dass Statistiken zeitgerecht analysiert werden, um Anomalien zu identifizieren und erarbeiten Lösungen für technische Probleme bei der Einführung des Kimberley Prozesses. Sie sind folglich in verschiedene Arbeitsgruppen eingeteilt. Darunter sind Arbeitsgruppen für überwachung, Statistik, Diamantenspezialisierung und Diamantenabbau. Jede einzelne Arbeitsgruppe verfügt über ihren eigenen Vorsitz, der durch ein Teilnehmerland oder einen Observierer besetzt ist. Der Vorsitz des Kimberley Prozesses bleibt jedoch oberste Instanz.

Ebenfalls sehr wichtig für das Funktionieren des Kimberley Prozesses sind die Komitees[30], die sehr verantwortungsvolle Aufgaben besitzen. So sollen sie zum Beispiel dem Vorsitz bei der Zulassung neuer Mitglieder assistieren und Unter-lagen der Kandidaten für den Platz des stellvertretenden Vorsitzes prüfen und bewerten. Diese Aufgaben werden dem Partizipationskomitee und dem Auswahlkomitee zugeteilt.

Der Vorsitz des Kimberley Prozesses ist stets auch Gastgeberland der Vollver-sammlung, die zwei mal jährlich statt findet. Wie schon vorher zum Teil erwähnt, wechselt der Vorsitz jedes Kalenderjahr sein Gastgeberland. Da das Sekretariat aus Arbeitnehmern besteht, die von dem Vorsitz bestimmt werden, wechselt auch das Sekretariat jedes Jahr die Besetzung. Seit Entstehung des Kimberley Prozesses in 2003, haben bisher Süd Afrika, Kanada, Russland, Botswana, die Europäische Gemeinschaft und Indien die Stelle des Vorsitzes eingenommen.[31] 2009 ist Namibia Vorsitzender des Kimberley Prozesses.

Auch wenn alle Instanzen sehr gut miteinander zusammen arbeiten, kann es trotzdem zu erheblichen Problemen führen. Genaueres wird jedoch im nächsten Punkt erläutert.

Schwächen

Der Anteil der Konfliktdiamanten im internationalen Handel beträgt im September 2007 circa 1% - eine deutliche Besserung verglichen mit 15% in den Neunziger Jahren[32]. Da man Diamanten allerdings nicht ansehen kann, ob sie konfliktfrei sind oder nicht, kann man den zugänglichen Statistiken nicht trauen. Die Dunkelziffer liegt demnach viel höher. Dies kann man vor allem auf die Schwächen des Kimberley Prozesses zurückführen, die in dem Dokument Loupe Holes, das von Global Witness und Partnership Africa Canada erstellt wurde, anhand einer Studie aufgeführt werden[33].

Kaum ausgebaute interne Kontrollmechanismen führen zu Schmuggel. So werden Blutdiamanten aus einem Nicht-Mitgliederstaat in einen Mitgliederstaat des Kimberley Prozesses geschmuggelt und dort als konfliktfrei zertifiziert. Dies ist möglich durch schwache Grenzkontrollen einerseits, und die Bestechlichkeit der Regierungsbehörden andererseits.

Im Falle von besorgniserregenden Situationen, wie z.B. Regelverstößen, ist es in der Realität leider so, dass der Kimberley Prozess nur sehr langsam reagiert und zudem erst dann, wenn öffentlicher Druck entsteht. „Solange jenen, die weiterhin mit Konfliktdiamanten handeln, keine ernst zu nehmenden Strafen drohen, bleibt die Selbstverpflichtung ein meist zahnloser Tiger." [34] Die Bestrafungsmechanismen bedürfen also einer grundlegenden änderung um

Mitgliedern zu signalisieren, dass konsequent durchgegriffen wird.

Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass obwohl Zusammenarbeit gern gesehen wird, kein bzw. wenig Informationsaustausch stattfindet. Die Mitglieder arbeiten untereinander nicht ausreichend zusammen und Namen von Verantwortlichen werden nicht genannt. In der Studie vom Juli/August 2008, die von Partnership Africa Canada und Global Witness erstellt wurde, wurde jedes Teilnehmerland gefragt, inwiefern sie es schaffen, den Kimberley Prozess erfolgreich durchzusetzen, welche Fortschritte und welche Niederschläge es gab. Nur die Wenigsten haben detaillierte Informationen angegeben. Von den damals noch 48 Mitgliedern haben 62,5% angegeben, dass die Regelungen des Kimberley Prozesses zwischen 2004 und 2007 von niemandem verletzt wurden. Jedoch gibt es z.B. in den Medien Beweise dafür, dass in über 50% von den Ländern, die diese Angaben gemacht haben, illegale Aktivitäten stattfanden. Demzufolge haben sie falsche Angaben gemacht. An dieser Stelle stellt sich also die Frage, inwiefern dies bewusst geschah und warum. Haben sie vielleicht mehr zu verbergen?

Desweiteren werden nicht genügend stichprobenartige Kontrollen von Diamantenhändlern durchgeführt, was dazu führt, dass der Handel mit Konfliktdiamanten für die meisten unbestraft bleibt. Laut oben erwähnter Studie hat die Europäische Gemeinschaft seit 2006 die meisten stichproben-artigen Kontrollen durchgeführt - 133 insgesamt.

Es ist also erkennbar, dass dadurch dass es keine bindenden Mitgliedsregeln gibt, für die meisten Mitgliederstaaten die Anstrengungen die Regelungen zu befolgen geringer sind.

Verbesserungsvorschläge

An den Schwächen des Kimberley Prozesses ist deutlich zu erkennen, dass das System ausgebaut und vor allem verbessert werden muss. Die Schlupflöcher, die den Schmuggel weiterhin ermöglichen, müssen schnellstens gestopft werden, um weiteren, größeren Schaden abzuwenden.

In dem Dokument Loupe Holes formulieren Global Witness und Partnership Africa Canada explizit die Schwächen des Systems und machen Vorschläge zur Verbesserung[35] des Kimberley Prozesses. Diese sind:

  1. Der Kimberley Prozess sollte bei Verstößen schnell handeln und einen vorübergehenden Aufhebungsmechanismus mit klaren Regeln beinhalten.
  2. Dies bedeutet: Der Kimberley Prozess sollte nicht erst handeln, wenn die Medien bereits aufmerksam geworden sind und das Problem an die Weltöffentlichkeit dringt.

  3. Die Mitgliederstaaten sollten stärkere übersicht über die Diamantenindustrie haben und reguläre Bestands- und Finanzprüfungen der Unternehmen durchführen.
  4. Das heißt, dass die Betriebe, die Diamanten weiterverarbeiten, sich an Minimumstandards halten sollten, aber trotzdem stichprobenartig von unabhängigen Kräften überprüft werden.

  5. Verbesserung der internen Kontrollmechanismen und effizientere Zusammenarbeits- und Durchsetzungsmaßnahmen, um den Rohdiamantenschmuggel zu bekämpfen.
  6. Der Schmuggel soll beseitigt werden, wobei effektive Kontrollen und überwachung von Minen eingerichtet und auch ausgeführt werden müssen. Eine bessere Koordinierung und die stetige Zusammenarbeit mit der Polizei sind hierbei dringend erforderlich.

  7. Entwicklung einer Forschungs- und Beobachtungseinheit, die sich auf illegale Bewegungen von Rohdiamanten spezialisiert.
  8. Loupe Holes und die oben genannten Vorschläge waren Grundlage der letzten Kimberley Prozess - Vollversammlung, die vom 3. bis 6. November in Neu Delhi, Indien stattfand.

Der Präsident des World Diamond Council Eli Izhakoff griff schon in seiner Eröffnungsrede[36] auf die Verbesserungsvorschläge zurück und formulierte sie als Ziel des Kimberley Prozess für das kommende Jahr.

Fazit: Zertifizierung als Lösung?

An den zahlreichen Schwächen, die, wie oben erwähnt, inzwischen sogar offiziell diskutiert werden und Anlass zu einem „Leitplan" in Form von Verbesserungsvorschlägen für die nächsten Jahre geben, ist deutlich zu erkennen, dass Zertifizierungen von Diamanten zwar Bestandteil des internationalen Diamantenhandels geworden sind, aber Schmuggel und illegalen Abbau noch nicht nachhaltig verhindern oder eindämmen können.

Wie anfänglich schon einmal erwähnt, können Zertifizierungssysteme sehr erfolgreich sein. Im Bereich der Konsumgüter kann man sich Zertifizierungen schon fast nicht mehr wegdenken, vor allem in den Bereichen des fairen Handels für bessere Arbeitsbedingungen für beispielsweise Plantagen- und/oder Fabrikarbeiter, aber auch im nachhaltigen, pestizid- und schadstofffreien Anbau von Obst und Gemüse. Diesbezüglich sollen Siegel, deren Verwendung (Aufdruck auf den Produkten) nur nach strengen und unabhängigen Kontrollen gestattet ist, dem Endverbraucher Sicherheit zur Erfüllung bzw. Bestätigung ihrer Qualitätsansprüche geben.

Auch in diesem Bereich bestehen Möglichkeiten zur Umgehung von Regelungen und Standards, was auf Lücken im System zurückzuführen ist. Dazu vergleiche man Alnatura®. Dieses Unternehmen gehört zu den günstigeren Anbietern von biologischen Produkten auf dem Markt, bewegen sich bezüglich diverser Inhaltsstoffe allerdings auf einem schmalen Grat zwischen biologischem/r Anbau/Verarbeitung und „Normalprodukt". Die Grenze zur Verwendung gewisser Mengen an bestimmten nicht-biologischen Inhalten ist ungenau und lässt daher dem Unternehmen einen Spielraum zum Einsatz solcher Stoffe, was in diesem Falle auch den, im Verhältnis zur Konkurrenz, günstigen Angebotspreis erklärt.

Der Kimberley Prozess ist damit dennoch nicht vergleichbar, da er, allein die Grundlage betrachtet, einen Rohstoff zu zertifizieren, ein weitaus umfangreicheres und komplizierteres Gebiet zu bearbeiten hat, wobei das Hauptproblem in der reinen Physis eines Diamanten liegt - sie sind klein, leicht und in reinem, ungeschliffenen Zustand von Steinen kaum unterscheidbar. Um einen Diamanten effektiv zu zertifizieren, müssen Kontrollen von der Förderung, über den Weg von Abbaugebiet zur Verarbeitung über den Mittelsmann,weiter zu einem Händler für internationale Geschäfte (für die Abbauländer sind Diamanten als Exportgeschäft lukrativer, als jegliche Eigenverwendung) und schließlich der Weg ins Ausland, ihr Feinschliff und letztlich der Verkauf auf dem Markt eingerichtet werden.

Die Realisierung eines solchen Projekts ist quasi unmöglich, da zum Einen in den Abbauregionen Kriegszustände herrschen und Kontrollinstanzen womöglich die Lage lediglich verschärfen bzw. Menschen unnütz in Gefahr geraten würden und zum Anderen wären damit extrem hohe finanzielle Aufwände verbunden. Diese können wegen der Ausmaße und allgemeinen wirtschaftlichen Situation im Augenblick nicht aufgebracht werden. Hinzu kommt, dass die Regierungen der einzelnen Länder (in den afrikanischen Abbaugebieten) nicht bereit sind, ihre wenigen finanziellen Mittel, die sie zur Verfügung haben, dafür zu verwenden. Dies liegt unter anderem daran, dass auch der illegale Export für die Regierungen Vorteile bringt und sie sich somit selber eine Einnahmequelle versperren würden.[37]

Es ist deutlich zu erkennen, dass es zwar einen allgemeinen Willen zur Verhinderung des Diamantenschmuggels, ebenfalls aber ein Netz von Verflechtungen und Korruption gibt, das zwei Seiten mit völlig unterschiedlichen Idealen „verbindet". Hierbei stehen auf der einen Seite die afrikanischen Staaten, die versuchen ihre Haupteinnahmequelle durch den Diamantenexport zu sichern um das Land finanziell zu stärken und zum Fortschritt zu bewegen. Gleichzeitig wollen sie aber eine zusätzliche Profitquelle aufrecht erhalten und zusätzlich den negativen Ruf über menschenrechtsverletzende Arbeitsbedingungen bereinigen.

Demgegenüber stehen auf der anderen Seite vorrangig die europäischen Staaten, die in erster Linie den makellosen Ruf eines Diamanten wieder herzustellen versuchen und zweitens den Handel und die finanzielle Kraft der Diamanten auf dem Markt stabilisieren oder erhöhen wollen. Zudem ist ihr Ziel das Vertrauen des Kunden zurückzugewinnen bzw. zu stärken, da schließlich die Kunden für den Absatz der Diamanten verantwortlich sind.

Es ist also ein Paradoxon, dass ein internationales Zertifizierungssystem, wie der Kimberley Prozess, beide Parteien ineinander vereinigt und offiziell für ein und das selbe Ziel kämpft. Es verwundert demnach allerdings auch nicht, dass bis jetzt noch keine nachhaltigen Erfolge erzielt wurden.

Daher ist zu konstatieren, dass derzeitig der Kimberley Prozess, also die Zertifizierung von Diamanten, keine Lösung ist.

Es fehlt nicht nur an der Zusammenarbeit der einzelnen (Mitglieder-)staaten untereinander und mangelnden finanziellen Möglichkeiten, allein die Grundlage um ein identisches Ziel zu erreichen, eine Ideologie zu entwickeln, wofür man (menschlich betrachtet) bereit ist zu kämpfen, ist nicht gegeben. Und bevor dies nicht der Fall ist, wird es schwer werden, das System auszubauen und zu verbessern, um schließlich in der Zukunft mehr Erfolge zu erzielen. Es ist ein Projekt, das mit starken Verbindungen und guter Zusammenarbeit durchaus realistisch in die Tat umzusetzen ist und auch Anlass zur Hoffnung - für einzelne Menschen, für ganze Völker, aber auch Länder - gibt.

  1. Vgl. Dietrich, Christian: Hard Currency: The Criminalized Diamond Economy of the Democratic Republic of Congo and its Neighbours, Hrsg.: © Partnership Africa Canada, 2002, S. 45, hier S. 51
  2. Vgl. www.medico-international.de/kampagne/fatal/ft_br2005_fatal.asp#kimberley, vom 26.12.2008
  3. Vgl. medico international: Der Stoff aus dem Kriege gemacht sind - Rohstoffe und Konflikte in Afrika; Hrsg.: medico international e.V., 2005
  4. Vgl. www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/SierraLeone/ Geschichte.html, vom 05.12.2008
  5. Vgl. www.readers-edition.de/2007/02/03/blutdiamanten-ein-offenes-geheimnis, Absatz 3 "Verstümmelungen Teil einer grausamen Kriegsführung " vom 30.01.09
  6. Vgl. www.medico-international.de/projekte/sierraleone/hintergrund_geschichte.asp, Absatz 2, vom 30.01.09
  7. Vgl. medico international: Der Stoff aus dem Kriege gemacht sind - Rohstoffe und Konflikte in Afrika, Hrsg. medico international e.V., 2005, S. 10
  8. Vgl. ebd., S. 11
  9. Vgl. www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Angola/Geschichte.html, vom 11.01.2009
  10. Movimento Popular de Libertaçäo de Angola - Volksbewegung für die Befreiung Angolas
  11. Uniao Nacional para a Independencia Total de Angola - Nationale Union für die völlige Unabhängigkeit Angolas
  12. Frente Nacional da Libertaçäo de Angola - Nationale Befreiungsfront
  13. Vgl. www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/Angola/Geschichte.html, vom 11.01.2009
  14. Vgl. www.kimberleyprocess.com/documents/basic_core_documents_en.html, KPCS Document, Section 4, vom 29.01.2009
  15. Vgl. www.kimberleyprocess.com/faqs/index_en.html, „What is the Kimberley Process", vom 30.01.2009
  16. Vgl. www.kimberleyprocess.com/background/index_en.html, "Who is involved?", vom 29.01.2009
  17. Vgl. www.diamondfacts.org/pdfs/conflict/Kimberley_Process_Timeline.pdf, vom 23.01.2009
  18. Vgl. www.globalwitness.org/pages/en/conflict_diamonds.html, "Global Witness and the Combating Conflict Diamond Campaign", vom 29.01.2009
  19. Vgl. www.un.org/Depts/dhl/resguide/r55.htm, A/RES/55/56, vom 30.01.2009
  20. Vgl. www.un.org/Depts/dhl/resguide/r56.htm, A/RES/56/263, vom 30.01.2009
  21. Vgl. www.zoll.de/a0_aktuelles/awr_kimberley_prozess/index.html, vom 26.01.2009, siehe Anhang Dokument 1
  22. Vgl. www.kimberleyprocess.com/faqs/index_en.html, vom 30.01.2009
  23. Vgl. www.diamondfacts.org/who/index.html, vom 30.01.2009
  24. Vgl. www.diamondfacts.org/conflict/eliminating_conflict_diamonds.html#system, vom 25.01.2009
  25. Vgl. www.fataltransactions.org/, vom 30.01.2009
  26. Vgl. medico international: Der Stoff aus dem Kriege gemacht sind - Rohstoffe und Konflikte in Afrika, Hrsg. medico international e.V., 2005, S. 23
  27. Vgl. www.nmjd.org/main.html?src=%2Findex2.html, vom 16.01.2009
  28. Vgl. United States Government Accountability Office: Conflict Diamonds Agency Actions Needed to Enhance Implementation of the Clean Diamond Trade Act, 2006, S. 8
  29. Vgl. www.kimberleyprocess.com/structure/working_group_en.html, vom 09.01.2009
  30. Vgl. ebd.
  31. Vgl. www.kimberleyprocess.com/structure/chair_secretariat_en.html, vom 12.01.2009
  32. Vgl. www.kimberleyprocess.com/background/index_en.html, „The Kimberley Process: unique and effective", vom 30.01.2009
  33. Vgl. www.pacweb.org/e/images/stories/documents/loupe_holes_nov2008.pdf, S. 4, vom 18.01.2009
  34. Vgl. medico international: Der Stoff aus dem Kriege gemacht sind - Rohstoffe und Konflikte in Afrika, Hrsg. medico international e.V., 2005, S. 25
  35. Vgl. www.pacweb.org/e/images/stories/documents/loupe_holes_nov2008.pdf, S. 5, vom 18.01.2009
  36. Vgl. www.pacweb.org/e/images/stories/documents/kp_plenary-opening_statement-delhi2008-eli_izhafoff.pdf, S. 2, vom 30.01.2009
  37. Vgl. Wilß, Cornelia: Making it Work - Why the Kimberley Process Must Do More to Stop Conflict Diamonds, Hrsg.: ©Global Witness Publishing Inc., 2005, S. 13

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