Barock; die Renaissance und den Manierismus ab

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Der Barock löste die Renaissance und den Manierismus ab, doch seine Anfänge können nicht in einer Jahreszahl genau festgelegt werden, da die Entwicklung dieser Epoche in den verschiedenen Ländern unterschiedlich begann und auch die Ausprägungen verschieden waren. In Italien, wo der Barock seine Wurzeln hat, traten die ersten barocken Formen bereits am Ende des 16. Jahrhundert auf und verbreitet sich direkt von Rom aus langsam über fast ganz Europa und Lateinamerika, wobei jedes Land seine eigenen Sonderformen aufweist. (vgl. Thiemer 2005, S. 56, Conti 1995, S. 3).

Der Ausdruck „Barock" leitet sich von „barucca", einem aus Portugal stammenden Wort für „unregelmäßige Perle", ab und galt als Spottbezeichnung für eine Kunst, die als abstoßend und unschön empfunden wurde. Obwohl der Barock bis Anfang des 18. Jahrhunderts andauerte, gelang es ihm erst mit Ende des 19. Jahrhunderts, als die Menschen die barocke Kunst mit ihrem Charme und ihrer Eleganz zu schätzen wussten, diese negative Bedeutung abzulegen und wurde somit „zum Stilbegriff für die Kunst der Gegenreformation und des Absolutismus" (Thiemer 2005, S. 56, Conti 1995, S. 3).

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Die Formen der Renaissance werden auch im Barock weiterhin verwendet, jedoch nicht in ihrer ursprünglichen Gestalt. Die einzelnen Elemente werden in abgeänderter Form miteinander kombiniert, wodurch es zu einer prunkvollen Entfaltung kommt. Das typische Merkmal der Renaissance, die Gleichmäßigkeit der verschiedenen Teile zueinander, und die gewollte unnatürliche Anordnung des Manierismus, wodurch die eigentliche Funktion ihrer Bauteile verloren geht, werden im Barock sozusagen vereint. „Der Bewegungszug folgt sinnvoll der dem Kunstwerk innewohnenden Gesetzmäßigkeiten" (Thiemer 2005, S. 56), obwohl die Gliederung der Baukörper oft zu einer verwirrenden Blickführung auf Grund des Verlaufes der Formen führen kann. „Es entsteht ein Stil von überraschenden Wirkungen. Aus der ruhigen Statik wird stürmische Dynamik, gerade Linien krümmen sich zu schwungvollen Kurven, und die schönen Flächen der Fassade verwandeln sich in plastische Gebilde, deren Teile sich konkav einziehen und konvex vorwölben" (Thiemer 2005, S. 56).

Der Wandel der Bauform von der Renaissance zum Barock lässt sich vor allem an einzelnen Baukörpern, wie zum Beispiel den Säulen und Pfeilern, den Verdachungen der Fenster, den Portalen und den Gesimsen, klar erkennen, die sich aber den eigenen Spielregeln des Barock unterwerfen (vgl. Thiemer 2005, S. 57, Conti 1995, S. 8).

Im Barock wurde vor allem auf die sakralen Bautypen und den Palast besonderes Augenmerk gelegt, wobei aber die fürstlichen Schlösser zu den typischen Bauten der Barockzeit zählen. Die Bauwerke wurden nicht als Gebäude gesehen, sondern als Skulpturen, was sich auch auf die jeweiligen Grundrisse auswirkte. Die schlichten, überschaubaren, verständlichen Plandarstellungen der Renaissance mussten den Weg für chaotische, zu Kompositionen verschmolzene Entwürfe räumen. Vorwiegend waren die runden Formen, wie Ellipse oder das Ovale und diffizile Kurven, die ein Gefühl von Bewegung und Spannung hervorrufen sollten, beliebt (vgl. Conti 1995, S. 9f). Einzelelemente, wie beispielsweise Gesimse oder Voluten lehnten sich an die Form der Kurve an und wurden mehrfach als Gestaltungs- und Gliederungselement eingesetzt. Plastische Ornamente schmückten die Fenster- und Türöffnungen und durch das Spiel mit konkaven und konvexen Komponenten kam es zu einer Regelmäßigkeit im Aufbau (vgl. Conti 1995, S. 12f).

Auch die räumliche Gesamterscheinung der sakralen Bauten weist eine Veränderung auf. Die einzelnen Raumgruppen werden sowohl in der Renaissance als auch im Barock zu großen, geschlossenen Raumgefügen vereint. Der wesentliche Unterschied hierbei ist aber die Wahl ihrer Mittel. In der Renaissance fügen sich die einzelnen Gruppen, welche aus fast gleich große Raumteile bestehen, zu einem Zentralbau zusammen. Die Raumhöhe der kreuzförmig angelegten Arme ist überall gleich hoch, nur in der Mitte des Zentralbaus ragt die Kuppel empor, wodurch in diesem Teil die Raumhöhe ansteigt. „Es entsteht eine klare Gesamtkomposition, in der die Teile selbstständig bleiben" (Thiemer 2005, S. 57).

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Im Barock zeigt sich diese Gleichmäßigkeit der Renaissance nicht. Die Größe, Höhe und Richtung der verschiedenen Raumgruppen weisen eine große Differenz auf. „Das Gleichmaß der Renaissance-Reihung hat sich hier in eine rhythmisch gebundene Folge ineinandergreifender Raumkörper verwandelt, in deren Gesamtheit Langhaus und Zentralraum miteinander verschmelzen" (Thiemer 2005, S. 58). Die Raumhöhen ragen empor, verringern sich an anderen Stellen wieder und überragen alles durch die Kuppel (vgl. Thiemer 2005, S. 58).

Die Fassade der Barockkirchen war, im Gegensatz zur Renaissance, bei der sie ein Rechteck oder eine Folge von Rechtecken darstellte, nur ein weiter Teil des Gebäudes, der sich nach außen wendet. Die Mitte der Frontansicht bekommt auf Grund der dekorativen Elemente, wie Säulen, Nischen und Giebel, eine stärkere Betonung als die Seitenflügel (vgl. Conti 1995, S. 6, S. 14ff)

Vor allem österreich und Deutschland hielten sich enger an die von Italien vorgegebenen Formen als andere Länder. Auf Grund der Zerstörungen durch den Dreißigjährigen Krieg entstanden in diesen Ländern die barocken Bauwerke erst relativ spät, am Ende des 17. beziehungsweise zu Beginn des 18. Jahrhunderts, was aber nicht unbedingt zu einem Nachteil führte, da sie eine außerordentliche Blüte erlebten. Johann Bernhard Fischer von Erlach zählt zu den berühmtesten und größten Architekten österreichs (vgl. Conti 1995, S. 6, S. 31).