The bread sacrifice of leviticus

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Weinstock, Dill und Eberesche: Archäobotanische Untersuchungen aus dem Tempelbezirk der latènezeitlichen Siedlung Sandberg - Roseldorf (Niederösterreich)
  1. Naturraum
  2. Die ehemalige Siedlung am Sandberg liegt ca. 65 km nordwestlich von Wien im westlichen Weinviertel, im sogenannten Pulkauer-Retzer Riedelland. Der an seinem höchsten Punkt etwa 330 m ü. A. hohe Sandberg erhebt sich zwischen dem Pulkautal im Norden und dem Schmidatal im Südwesten.

    Das Klima der Region hat deutlich pannonischen Charakter und gehört mit mittleren Jahresniederschlägen von unter 500 mm zu den trockensten Gegenden österreichs, die Jahresmitteltemperatur beträgt um die 9 °C (Abb. 2a, 2b).

    Wie die meisten der flachwelligen Hügelrücken im Gebiet ist der Sandberg vor allem aus Mergel und Sandstein aufgebaut, die gegen Ende der letzten Eiszeit durch Löß überschichtet wurden. Vorherrschender Bodentyp ist der Tschernosem (Schwarzerde), der der Landwirtschaft äußerst fruchtbares Ackerland bietet.

    Die aktuelle Vegetation im Weinviertel ist vor allem durch intensive Landwirtschaft geprägt, die Landschaft ist extrem ausgeräumt und außerhalb der agrarisch genutzten Flächen existieren nur noch wenige Refugialgebiete mit natürlicher oder naturnaher Vegetation. Als potentiell natürliche Vegetation (d. h. ohne Einflussnahme durch den Menschen) werden für das westliche Weinviertel wärmeliebende Eichenwälder angenommen, mit Einsprengseln von Flaumeichengebüsch und Trockenrasen an den trockensten und exponiertesten Standorten. Die wenigen verbliebenen Waldökosysteme der Region sind durch die aus Nordamerika eingeschleppte Scheinakazie (Robinia pseudoacacia) schwer beeinträchtigt. Auch Trockenrasen sind heute nur mehr punktuell erhalten, wie etwa nahe Goggendorf, wo auch Raritäten wie Hornmelde (Kraschenninikovia ceratoides) und Stengelloser Tragant (Astragalus exscapus) anzutreffen sind.

    Entlang der Flussläufe wird von einst vorhandenen Auwäldern ausgegangen, mit entsprechender Feuchtgebietsvegetation in den flachen, versumpften Talmulden (Röhrichte, Seggenrieder und Strauchweidenbestände). Derartige Habitate waren noch bis ins 20. Jahrhundert weitaus häufiger, bevor großräumig Entwässerungsmaßnahmen vorgenommen wurden. Kleinräumige Vernässungen wie der Grundgraben bei Kleinreinprechtsdorf oder der Teichgraben bei Pulkau mögen als Restbestände dieser einst weit verbreiteten Feuchtbiotope angesehen werden (Sauberer 1993).

    Knapp 9 km westlich des Sandbergs befinden sich mit den Kogelsteinen die ersten Ausläufer des silikatisch geprägten Manhartsberges und damit der Böhmischen Masse. Im Bereich der Kogelsteine sind trockene Gesteinsrohböden (Ranker) ausgebildet, die botanisch äußerst interessante Reliktvegetation beheimaten. Die Silikat-Trockenrasen der Kogelheide wurden in der traditionellen Kulturlandschaft als Weideland, vor allem für Schafe, genutzt.

  3. Archäologie
  4. (hier v.a. auf den/die Artikel von V. Holzer verweisen)

  5. Methoden
  6. Im Rahmen der bisher durchgeführten umfangreichen botanischen Auswertungen der Grabung Sandberg-Roseldorf (teils publiziert: Beispiele anführen) nimmt der Tempelbezirk eine zentrale Stellung ein. Alleine aus dem bislang größten ergrabenen Heiligtum (Objekt 1) sind 158 Proben im Umfang von 4.707 l analysiert worden. Zusätzlich wurden aus drei weiteren Grabungsobjekten mit höchstwahrscheinlich sakralem Zweck (Heiligtümer: Objekte 12, 13, sowie vermutliche Opfergrube Objekt 14) 38 Erdproben im Umfang von 1.026 l entnommen und untersucht.

    Die großen Probenmengen sind vor allem in den lokalen Erhaltungsbedingungen begründet: in den trockenen und gut durchlüfteten Mineralböden des pannonischen Raums bleiben archäologische Pflanzenreste nur in verkohltem Zustand erhalten - unverkohltes Material zersetzt sich innerhalb weniger Wochen bis Monate. Während verkohlte Pflanzenreste im Boden nun aber quasi unverändert die Jahrtausende überdauern können, ist die Wahrscheinlichkeit ihrer Entstehung nicht besonders hoch - der Kontakt mit Feuer wird benötigt, sei es bei der Zubereitung von Essen, Heiz- oder technischen Zwecken, oder auch bei Schadfeuer. Wenn nun dort günstige Bedingungen herrschen (Sauerstoffmangel, gleichmäßige, nicht zu hohe Temperatur), verkohlt ein Teil des pflanzlichen Materials und hilft bei der Erforschung früherer Muster der Pflanzennutzung, oder der Rekonstruktion vergangener Umwelten. Der Materialaufwand ist, bedingt durch diese geringere Wahrscheinlichkeit zu verkohlen, aber ungleich höher als z. B. bei Feuchterhaltung: während in Trockenböden oft Hunderte bis Tausende Liter Erdreich durchsucht werden müssen, um eine aussagekräftige Anzahl von Sämereien zu erhalten, mag durch Staunässe konserviertes Brunnensediment oder eine Latrine bereits in einem Liter Hunderte Sämereien, Holzreste und auch empfindlichere Pflanzenteile (Blätter, Blüten) enthalten.

    Eine Flotation des Erdmaterials ist notwendig, um die bei Trockenbodengrabungen mit freiem Auge meist gar nicht sichtbaren Pflanzenreste aus den Erdproben zu isolieren. Dieses Verfahren, das auch als Schwimmaufbereitung bezeichnet wird, ist im Vergleich zu anderen Techniken (siehe Grieg 1989, Pearsall 1989 oder Jacomet & Kreuz 1999) besonders schonend für die zerbrechlichen, verkohlten Pflanzenreste und liefert bei geeigneten Bodenbedingungen sehr gute Ergebnisse. Man macht sich beim Lösen der Proben in Wasser ein einfaches physikalisches Prinzip zunutze, bei dem die leichteren organischen Bestandteile im Wasser aufsteigen, während die spezifisch schwereren, mineralischen Bestandteile der Erdprobe absinken. Um die anfallenden großen Probenmengen möglichst schnell und effizient zu bewältigen, wurden spezielle Flotationstonnen konstruiert (siehe Schneider & Kronberger 1991), bei denen ein durch die Erdproben aufsteigender Wasserstrom die Trennung noch unterstützt. Die mehr oder weniger luftgefüllten, verkohlten Partikel steigen mit dem Wasserstrom auf und werden mit anderen organischen Teilen in einem geeigneten Siebsatz aufgefangen. Das Auftrennen des Materials in Fraktionen mit unterschiedlicher Korngröße erleichtert das spätere Auslesen unter dem Auflichtmikroskop. Am Sandberg wurden Siebsätze mit Maschenweiten von 0,5 mm, 1 mm und auch 5mm verwendet, um das Wurzelmaterial, das aufgrund der geringen Tiefe der Grabung umfangreich vorhanden war, aufzufangen.

    Die abgesunkene, schwerere Fraktion wurde anschließend mittels Wasserstrahl geschlämmt, um möglicherweise noch enthaltene tierische Reste oder verschiedene archäologische Kleinfunde zu bergen

    Die in den Siebsätzen aufgefangenen Pflanzenreste wurden dann innerhalb der Siebe an einem schattigen, windgeschützten Ort getrocknet. Anschließend wurden sie nach Siebfraktionen getrennt in Plastiksäckchen abgepackt und in das Labor an der Universität für Bodenkultur zur weiteren Analyse transportiert.

    Die Bestimmung der Pflanzenreste erfolgte vor allem durch Vergleiche mit der rezenten Samensammlung und archäologischen Originalbelegen der Arbeitsgruppe Archäobotanik an der Universität für Bodenkultur sowie durch Verwendung von einschlägiger Bestimmungsliteratur (Literatur!).

    Im Rahmen der Fragestellungen zum Getreidespeicher von Roseldorf (Caneppele & Kohler-Schneider 2009), die sich teilweise mit jenen zum Tempelbezirk überschneiden, wurde auch der experimentelle Anbau von Getreiden im Garten der Universität für Bodenkultur Wien durchgeführt. Es galt, das vorgefundene Ensemble von Einkorn (Triticum monococcum) und Dinkel (T. spelta) auf ihren möglichen Mischanbau hin zu überprüfen. Im Anbau als Winterfrucht konnte bestätigt werden, dass beide Getreide ohne Weiteres zu einem gemeinsamen Zeitpunkt (Anfang Juli) erntebereit waren.

  7. Ergebnisse
  8. Aus den 158 Proben des großen Heiligtums (Objekt 1) konnten insgesamt 7.103 verkohlte Pflanzenreste ausgelesen werden. Bei 4.790 Funden handelt es sich um Kulturpflanzenreste (Körner und Druschreste), 2.313 Funde konnten den Wildpflanzen zugeordnet werden. Das Spektrum setzt sich aus 119 verschiedenen Taxa zusammen, davon 19 Kulturpflanzen- und 100 Wildpflanzen-Taxa. Bei den Kulturpflanzen konnten 15 Taxa bis zur Art bestimmt werden, bei den Wildpflanzen konnten 67 Taxa auf Artniveau bestimmt bzw. 86 Taxa ökologisch zugeordnet werden.

    Die Funde aus den kleineren Heiligtümern nehmen sich im Vergleich dazu sehr gering aus: Objekt 12 erbrachte lediglich 24 Pflanzenreste (7 Taxa), davon 2 Kulturpflanzen (2 Taxa), aus Objekt 13 stammen 90 Reste (5 Taxa), davon 5 (2 Taxa) von Kulturpflanzen. Das als Opfergrube interpretierte Objekt 14 erbrachte wiederum etwas reicheres Fundgut: die 534 verkohlten Pflanzenreste entfallen auf 47 Pflanzensippen, wovon 87 Reste (15 Taxa) auf Kulturpflanzen entfallen.

    Kulturpflanzen

    Zahlenmäßig überwiegen im Kulturpflanzenspektrum des großen Heiligtums eindeutig die Getreidereste. Einkorn, Dinkel und Gerste sind zu etwa gleichen Anteilen enthalten und dürften somit die Hauptgetreidearten der latènezeitlichen Siedler am Sandberg gewesen sein. Dies stimmt auch gut mit den Funden aus der Siedlung überein. Emmer wurde nur in geringer Menge nachgewiesen, was nicht nur allein auf die Schwierigkeiten bei der Bestimmung dieser Art zurückzuführen sein dürfte, sondern generell auf die geringere Bedeutung dieser Art im Speiseplan der damaligen Bewohner. Ebenso wurden vom Nacktweizen nur wenig Belege gefunden. Vom „Emmerähnlichen Spelzweizen" konnte eine typische ährchengabel nachgewiesen werden.

    Auffällig ist die relativ hohe Anzahl von 104 Roggenkörnern im Fundensemble des Heiligtums. Die Körner sind zwar noch etwas kleiner als mittelalterlicher Roggen, aber aufgrund der hohen Stückzahl und der relativ hohen Stetigkeit kann man davon ausgehen, dass sich der Roggen bereits auf dem Weg vom Unkrautstatus zur gezielt angebauten Feldfrucht befunden hat. Beim Roggen handelt es sich um eine „sekundäre Kulturpflanze", die wie alle übrigen Getreidearten aus dem Vorderen Orient stammt und dort schon zu Beginn des Neolithikums domestiziert wurde, in Mitteleuropa aber über lange Zeiträume hinweg nur als Unkraut in anderen Wintergetreidekulturen aufgetreten ist.

    Alle großfrüchtigen Getreidearten, mit Ausnahme des Nacktweizens, sind auch durch Druschreste belegt.

    Die Haferkörner im Heiligtum lassen sich, wie schon im Siedlungsbereich, nicht mit Sicherheit dem Kulturhafer zuordnen, da keine Blütenbasen mit typischer Abbruchstelle gefunden wurden. Es kann sich daher sowohl um Flug- als auch um Kulturhafer handeln, der als Unkraut in anderen Getreidefeldern toleriert wurde oder aufgrund seines hohen Nährstoffgehaltes auch gerne mitgegessen wurde.

    Bei den kleinfrüchtigen Getreiden konnte die Rispenhirse nachgewiesen werden. Der im Vergleich mit zeitgleichen Siedlungen geringer Anteil dieser Art kann auch im Sonderbefund des Heiligtums liegen. Die Funde sind aber gut über den gesamten Grabungskomplex verteilt und es ist anzunehmen, dass die Rispenhirse auch am Sandberg eine wichtige Rolle in der Ernährung der latènezeitlichen Bevölkerung spielte.

    Die Hülsenfrüchte, die aufgrund ihres hohen Proteingehaltes einen wichtigen Beitrag zur menschlichen Nahrung liefern, sind mit Linse und Erbse vertreten. Die zahlenmäßig wenigen Funde sind aufgrund der geringen Erhaltungschancen dieser Samen in archäologischen Ausgrabungen nicht weiter verwunderlich. Auffällig ist das Fehlen der Saubohne (Vicia faba). Sie konnte bis jetzt weder im Siedlungsbereich noch im Tempelbezirk nachgewiesen werden, ist aber auf jeden Fall im Spektrum zu erwarten, da sie nicht umsonst als „Keltische Bohne" bezeichnet wird.

    Von den ölpflanzen, die im archäobotanischen Fundmaterial unter Trockenbodenverhältnissen ebenfalls nur selten erhalten bleiben, wurden drei Arten nachgewiesen. Leindotter ist mit 15 Samen sehr häufig vertreten. Von Schlafmohn konnten 2 Samen nachgewiesen werden und Lein ist aufgrund seines schlechten Erhaltungszustandes nur als wahrscheinlich Lein bestimmt. Unter dem Gesichtspunkt, dass diese Samen aufgrund ihres hohen ölgehaltes beim Verkohlen starken Formveränderungen unterworfen werden, sind die Funde dieser äußerst zerbrechlichen Samen von besonderer Bedeutung.

    Eine weitere Besonderheit im Kulturpflanzenspektrum des großen Heiligtums ist der Nachweis von Kulturwein. In Mitteleuropa treten die ersten Kulturweinkerne am Ende der Bronzezeit auf. Die ältesten Nachweise stammen von urnenfelderzeitlichen Fundplätzen in Sopron/Westungarn (Facsar und Jerem 1985) und Stillfried an der March (Kohler-Schneider 2001). Von diesen Fundplätzen gibt es auch Nachweise aus der Hallstattzeit, in die auch die Weinkerne aus dem nordburgenländischen Zagersdorf (Kaus 1987) fallen. Der latènezeitliche Fund von Roseldorf fügt sich gut in dieses Bild einer frühen Präsenz von Kulturwein im südostmitteleuropäischen Raum. Für eine frühzeitige übernahme des Weinbaus durch die Kelten stellen diese Weinkernfunde aber noch keine eindeutigen Belege dar. Dafür müsste es noch weiter Hinweise in Form von Rebmessern, Weinsteinresten in Gefäßen oder größere Ansammlungen von Weinkernen geben. Der Weinkern kann aber sehr wohl als mediterranes Importgut auch als Rosinen in die Siedlung gelangt sein (vgl. dazu Jacomet et al. 1999). Dazu passen auch die beiden Funde des Dillkrautes (aufgrund ihres Erhaltungszustandes nur als cf. bestimmt) und die archäozoologischen Nachweise römischer Importrinder (Bruckner-Höbling 2009, Bruckner-Höbling & Pucher2008).

    Wildpflanzen

    Archäobotanische Wildpflanzenfunde spielen eine Schlüsselrolle bei der Rekonstruktion der Vegetationsverhältnisse und liefern wichtige Informationen über bestimmte Aspekte der Landnutzung.

    Die nachgewiesenen Wildpflanzen-Taxa wurden sogenannten ökogruppen (Petrucci- Bavaud & Jacomet 1996) zugeordnet. Diese stellen eine stark vereinfachte Fassung der Ellenbergschen übersicht über die Vegetationseinheiten Mitteleuropas dar. Im wesentlichen werden dabei die Pflanzenarten nach verschiedenen Lebensraumtypen geordnet, die auch für die Vergangenheit Gültigkeit haben („Aktualitätsprinzip", Behre & Jacomet 1991). Diese Annahme ist vor allem bei stark anthropogen beeinflussten Standorten gewissen Einschränkungen unterworfen, da die heutige Bewirtschaftungsweise mit Sicherheit andere Pflanzengesellschaften verursacht als in der Vergangenheit.

    Wie in agrarisch geprägten Siedlungen üblich, stellen Ackerunkräuter (27 Taxa) und Ruderalpflanzen (13 Taxa) einen wichtigen Anteil der Wildpflanzenflora dar. übereinstimmend mit den nachgewiesenen Kulturpflanzen deuten die Ackerunkräuter auf einen Wechsel von Sommer- und Winterfruchtanbau hin. Typische Wintergetreideunkräuter sind zum Beispiel Kornrade (Agrostemma githago), Roggentrespe (Bromus secalinus), und Windenknöterich (Fallopia convolvulus).Als typische Sommergetreideunkräuter sind die Wildhirsen (Setaria viridis/verticillata, Echinochloa crus-galli) zu bezeichnen. Weitere Besonderheiten im Ackerunkrautspektrum des großen Heiligtums stellen einige thermophile Pflanzen dar, die durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den Einsatz von Mineraldünger und Pestiziden in vielen Regionen Mitteleuropas schon zum Verschwinden gebracht wurden. Dazu gehören zum Beispiel Acker-Schwarzkümmel (Nigella arvensis), Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis), Rundblättriges Hasenohr (Bupleurum rotundifolium) und Eiblatt-Tännelkraut (Kickxia spuria). Ebenfalls gut ins Ackerunkrautspektrum kalkreicher Standorte fügen sich die Diasporen von Acker-Täschelkraut (Thlaspi arvense), Stengelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule), Einjähriger Ziest (Stachys annua) und Floh-Knöterich (Persicaria maculosa). Das Vorherrschen von Einjährigen (Therophyten) unter den Ackerunkräutern weist auf eine relativ intensive Bodenbearbeitung hin.

    Unter Ruderalfluren versteht man nicht bewirtschaftete, aber vom Menschen stark beeinflusste Standorte. Die Pflanzen dieses Habitat-Typs sind also im unmittelbaren Siedlungsbereich zu finden. Neben den zu erwartenden großen Mengen an Gänsefuß-Arten (Chenopodium album agg., Chenopodium murale, Chenopodium sp.) konnten auch Nachweise des Schwarzen Nachtschattens (Solanum nigrum agg.), des Bilsenkrautes (Hyoscyamus niger) und des Bitterkrautes (Picris hieracioides) erbracht werden.

    Besonders hervorzuheben ist der große Reichtum an Grünlandpflanzen, die mit 32 Taxa die größte Gruppe darstellen. Darunter befinden sich einerseits zahlreiche Arten mesischer Grünlandstandorte: Wiesen-/Graben-Rispe (Poa pratensis/trivialis), Deutsches Weidelgras (Lolium perenne), Wiesen-Lieschgras (Phleum pratense), Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata), Wiesen-Klee (Trifolium pratense), Kriech-Klee (Trifolium repens) und Kriech-Günsel (Ajuga reptans). Auch Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus) und Hopfenklee (Medicago lupulina) lassen sich hier einordnen.

    Andere der nachgewiesenen Arten wiederum sind ausgesprochene Vertreter von Trockenrasengesellschaften. Hier lässt sich eine weiter Unterteilung in Arten, die von eher kalkreichen Standorten stammen, und solche, die auf bodensauren Silikattrockenrasen wachsen, vornehmen. Zur ersten Artengruppe von Trockenrasen auf Löß gehören Federgras (Stipa pennata agg.), Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys), Gewöhnlicher Steinquendel (Acinos arvensis), Thymian (Thymus sp.), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum) und Königskerze (Verbascum sp.).Vertreter der zweite Artengruppe auf silikatischem Trockenrasen sind Hasen-Klee (Trifolium arvense), Ausdauernder Knäuel (Scleranthus perennis), und Schaf-Schwingel (Festuca ovina). Diese Nachweise können als sicheres Zeichen dafür gelten, dass auch die Granitstandorte westlich der Siedlung (die Kogelheide rund um die Feenhaube) besucht und genutzt wurden. Hasen-Klee und Knäuelkraut sind auch heute noch rings um die eindrucksvollen Felsformationen zu finden.

    Der große Reichtum an Grünlandpflanzen deckt sich mit dem hohen Stellenwert der Viehhaltung - insbesondere der Schaf-, Ziegen- und Rinderhaltung - die durch archäozoologische Funde (Bruckner-Höbling 2009) belegt wird. Mit ziemlicher Sicherheit wurde auch schon echte Heuwirtschaft betrieben (dies ist zumindest von anderen zeitgleichen Siedlungsplätzen belegt, an denen auch sensenartige Geräte aus Eisen gefunden wurden).

    Auffällig ist, dass kaum Grünlandpflanzen von feuchten Standorten vorhanden sind, die einzigen feuchtigkeitsliebenden Arten sind Ampfer-Knöterich (Persicaria lapathifolia), Feigenblatt-Gänsefuß (Chenopodium ficifolium) Spieß-Melde (Atriplex hastata) und Wilde Karde (Dipsacus fullonum).????????

    Unter den 17 nachgewiesenen Waldpflanzen-Arten dominieren solche der Waldränder, Schläge und Lichtungen. Viele der gefundenen Diasporen kommen aber auch als Sammelpflanzen in Frage: Erdbeere (Fragaria vesca), Schwarzer Holunder (Sambucus niger), Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana) und Zweikern-Weißdorn (Crataegus laevigata). Mit dem Nachweis der Eberesche (Sorbus aucuparia), die nur von den Silikatstandorten rund um die Feenhaube stammen kann, und die auch heute noch dort wächst, ist ein weiterer Hinweis auf den großen Aktionsradius der keltischen Siedler gegeben. Die vitamin-C-reichen Ebereschen-Beeren kommen sowohl als Sammelgut in Frage als auch als Schmuck für das Heiligtum. Auf Basis der archäobotanischen Untersuchung wäre es natürlich sehr verlockend, einen Bezug zwischen dem Heiligtum und den eindrucksvollen Felsformationen der Kogelheide herzustellen. Die Feenhaube bietet sich als Kultplatz ja geradezu an.

    Mit dem Hopfen (Humulus lupulus) gibt es auch einen Vertreter von Waldgesellschaften feuchter Standorte. Aufgrund seiner vielfachen Nutzungsmöglichkeiten muss der Hopfen nicht unbedingt dem keltischen Bier gedient haben. Seine jungen Sprossen liefern ein vorzügliches Gemüse, er dient als Arzneimittel der Beruhigung und seine Fruchtstände können auch Schmuckfunktion ausgeübt haben. Eine Pflanze mit Schmuckfunktion oder unbekanntem Symbolwert könnte auch die Kleine Wiesenraute (Thalictrum minus) gewesen sein. Sie wurde im Heiligtum in allen untersuchten Proben in großer Zahl gefunden. Rezent ist keine spezielle Verwendung für diese Pflanze bekannt.

    Holzhohle??

    Carpinus betulus

    Pflanzen der Wälder, Gebüsche und Waldschläge sind spärlicher vertreten: interessant ist der Nachweis von Carpinus betulus. Die das Waldbild bestimmende Eiche wurde nur in Form von verkohlten Hölzern nachgewiesen. Dr. Grabner von der Holzbiologie hat in den untersuchten Holzproben einen Eichenanteil von 86 % festgestellt.

    Diskussion

    Kulturpflanzenspektrum, Landwirtschaft und Ernährung

    Umgebende Lebensräume

    Räumliche Verteilung der Funde

    Die 158 aus dem großen Heiligtum entnommenen Proben stammen aus 30 stratigraphischen Einheiten und verteilen sich über das gesamte Grabungsareal. Zur weiteren Analyse der räumlichen Verteilung der Funde wurden die Proben der Flächen 1, 2 und 4 zur Nordseite, der Flächen 5, 6, 7, 8 und 9 zur Ostseite, der Flächen12, 13 und 14 zur Südseite und der Flächen 16 und 18 zur Westseite zusammengefasst. Die Fundnummern aus Fläche 15 ergeben die Südwestecke. Von der Nordseite stammen 11 Proben mit einem Erdvolumen von 385 Litern und von der Westseite 10 Proben mit 350 Litern. Aufgrund der Fundarmut dieser wenigen Proben, die zu keinen aussagekräftigen Ergebnissen führte, konzentriert sich die Analyse der Verteilung der Funde auf die restlichen Bereiche des großen Heiligtums. Beim Vergleich des Kulturpflanzenspektrums werden nur die sicher bestimmten Körner berücksichtigt. Spreureste, Triticum sp. und Cerealia indet, gehen in die prozentuellen Anteile, die sich immer auf die Gesamtfundzahl des jeweiligen Bereiches beziehen, nicht ein. Die Stetigkeitswerte beinhalten ebenfalls nur die determinierten Körner und nehmen Bezug auf die Gesamtprobenzahl der einzelnen Bereiche. Bei den Wildpflanzen wurden auch die cf.-Bestimmungen in die Gesamtfundzahl jedes Bereiches und in die Berechnung der Funddichtewerte miteinbezogen. Die Verwendung der Funddichten ermöglicht einen Vergleich der einzelnen Bereiche, die eine sehr unterschiedliche Probenanzahl und somit auch Probenvolumina aufweisen.

    Ostseite

    Die diesem Bereich zugeordneten 92 Proben (2529 Liter Erdmaterial) enthielten insgesamt 1028 verkohlte Reste. Davon konnten 52 Kulturpflanzenkörner sicher bestimmt werden. Der größte Teil entfällt auf Einkorn (Triticum monococcum) mit 16 Karyopsen, gefolgt von Gerste mit 10 und Dinkel mit 8. Rispenhirse war mit 6, Leindotter und Roggen mit 3 und Hafer mit 2 Körnern vertreten. Je ein Fund konnte dem Nacktweizen, dem Schlafmohn und dem Wein zugeordnet werden.

    Die Stetigkeitswerte der zahlenmäßig häufigsten Getreidearten Einkorn und Gerste waren mit 11 bzw. 10 Prozent am höchsten. Rispenhirse war in 6 Proben zu finden und Dinkel in 5. Die niedrigen Werte haben ihre Ursache, wie schon bei der Stetigkeit des gesamten Kulturpflanzenbereichs beschrieben, in der völligen Fundleere vieler Proben.

    Die Wildpflanzenfunde setzen sich in diesem Bereich aus 284 Funden zusammen, die zum Beispiel die einzigen Belege für Scleranthus perennis, Hyoscyamus niger sowie Solanum nigrum agg. enthalten. Auch entfällt der größte Teil der gefundenen Grannen von Stipa pennata agg. in diesen Untersuchungsbereich.

    Südseite

    In den 20 Proben (665 Liter Erdvolumen) dieses Bereiches waren 1516 verkohlte Pflanzenreste enthalten. Unter den Kulturpflanzen konnten 146 Körner sicher bestimmt werden. Der größte Teil entfällt auch hier wieder auf Einkorn mit 44 und Gerste mit 41 Karyopsen. Dem Dinkel konnten 23, der Rispenhirse13 und dem Hafer 8 Körner zugeteilt werden. Weitere Funde verteilen sich mit 6 Stück auf die Leguminosen Linse und Erbse, mit 4 Körnern auf Roggen sowie mit je 3 Samen auf Leindotter und Emmer. Ein weiterer Nachweis konnte dem Schlafmohn zugeordnet werden. In diesen Bereich fallen auch die beiden Belege für Dill, die aufgrund ihres schlechten Erhaltungszustandes nur als wahrscheinlich (cf.) bestimmt werden konnten.

    Die Stetigkeitswerte zeigen, dass Einkorn in 40% der Proben enthalten war, gefolgt von Gerste und Dinkel mit je 30%. Roggen und Rispenhirse hatten mit 20% sowie Hafer, Emmer und die Hülsenfrüchte mit 15% dieselbe Häufigkeit.

    Von den gefunden Wildpflanzen konnten 356 Diasporen näher bestimmt werden. Das Spektrum enthält neben einer beträchtlichen Anzahl an Fabaceae, Poaceae sowie den üblichen Chenopodiaceae auch die einzigen Nachweise von Crataegus laevigata, Sorbus aucuparia sowie Adonis aestivalis.

    Südwestecke

    Aus den 25 Proben (778 Liter Erdvolumen) konnten 4494 verkohlte Pflanzenreste isoliert werden. Von den 633 sicher bestimmbaren Kulturpflanzenkörner konnte der größte Teil (165 Karyopsen) dem Dinkel zugeordnet werden, Gerste und Einkorn war mit 138 bzw. 137 Funden vertreten. Der Roggen übertrifft mit 97 Körnern zahlenmäßig den Hafer sowie die Rispenhirse, die mit 35 bzw. 34 Exemplaren vorliegen. Von den Leguminosen konnten 13 Belege erbracht werden und vom Leindotter 9. In diesem Bereich befanden sich noch 2 Karyopsen von Emmer und 3 von Nacktweizen.

    Der zahlenmäßig am stärksten vertretene Dinkel konnte in nur 24% der Proben nachgewiesen werden. Er wird von Einkorn mit 40% und Gerste mit 36% deutlich übertroffen. Auch die Stetigkeitswerte des Roggens mit 32% und der Rispenhirse mit 28% liegen darüber.

    Die Südwestecke des großen Heiligtums enthielt 1096 Wildpflanzendiasporen, die sich durch eine ausgesprochene Artenvielfalt auszeichnen. In diesen Bereich fallen 64, der insgesamt 86 Taxa, die einem bestimmten Lebensraum-Typus zugeordnet werden konnten.

    Die höchste Funddichte sowohl der Kulturpflanzen mit 1,5 Resten/Liter als auch der Wildpflanzen mit 1,4 Diasporen/Liter ist in der Südwestecke des großen Heiligtums zu finden. Die Südseite folgt mit 0,38 Resten/Liter bei den Kulturpflanzen und 0,5 Diasporen/Liter bei den Wildpflanzen. Die Funddichten der Ostseite sind äußerst gering und weisen Werte um 0,03 Reste/Liter bzw. 0,1 Diasporen/Liter auf. Die großen Probenmengen, die in diesem Teil entnommen und bearbeitet wurden, haben aber einige Besonderheiten zu Tage gebracht und sind in ihrer Zusammensetzung des Spektrums gut mit den anderen Bereichen vergleichbar.

    Als Hauptgetreidearten sind bei der Betrachtung der Funddichten in allen drei Bereichen Einkorn, Dinkel und Gerste zu nennen, wobei der Dinkel in der Südwestecke mit mehr als 0,2 Körner/Liter deutlich über den anderen Getreidearten steht. In den anderen beiden Bereichen stehen jeweils Einkorn und Gerste an erster Stelle. Auffällig sind die hohen Werte für Roggen im Südwestbereich, aber auch Hafer und Rispenhirse sind bezogen auf das Erdvolumen stark vertreten.

    Vergleicht man die Funddichten der Wildpflanzen, die den verschiedenen Lebensraum-Typen zugeteilt werden konnten, zeigt sich ein enormer Anteil der Ruderalarten in der Südwestecke. Die Anzahl dieser Arten ist aber in allen Bereichen ähnlich. Die zahlreichen Funde der Ackerunkräutern auf der Fläche 15, bezogen sowohl auf die Funddichten als auch auf die Anzahl der Taxa, passen gut zu den großen Mengen an Kulturpflanzen in diesem Bereich. Pflanzen, die dem Grünland zugeordnet werden konnten, sind in allen drei Bereichen mit den meisten unterschiedlichen Taxa vertreten. Die Funddichten der Südseite reichen dabei fast an die Südwestecke heran. Pflanzen der Wälder, Gebüsche und Waldschläge kommen nur selten vor, wobei die sonst sehr artenreiche Ostseite hier nur mit 3 Taxa aufwarten kann. Vertreter der Feuchtgebiete sind kaum vorhanden, und die beiden nachgewiesenen Arten konnten nur in der Südwestecke und auf der Ostseite gefunden werden.

    Bei den archäobotanisch untersuchten stratigraphischen Einheiten tritt sehr deutlich zutage, dass sich der Großteil der Funde in der jüngsten Grabenfüllung (SE 2, 40, 51) und in einer Grube auf Fläche 15 (Südwestecke, SE 103 und 117) befindet. Einige Pflanzenreste stammen auch aus der darunter liegenden Schicht 37.

    Die Frage wie die verkohlten Samen, die ja mit Feuer in Berührung gekommen sein müssen, in den Umfassungsgraben des Heiligtums gelangt sind, bleibt immer eine spannende. Eine mögliche Erklärung dafür kann sein, dass es sich um ganz profanen Siedlungsabfall handelt, der von den Bewohnern des Sandberges hier deponiert wurde. Dafür spricht die Anhäufung der Funde in der Südwestecke, die sich vor allem in der SE 103 und 117 konzentrierten. Dieser Bereich könnte als Abfallgrube verwendet worden sein. Die leichte Hangneigung des Geländes könnte ebenfalls zu der Anhäufung im südlichen Bereich beigetragen haben. Wie bereits erwähnt, sind die meisten botanischen Funde, der von uns untersuchten Schichten, in den obersten zutage getreten, was auf eine Verfüllung des Grabens zurückzuführen sein könnte. Die unteren Schichten blieben dagegen auffallend fundarm. Vielleicht war das Heiligtum zum Zeitpunkt der Einbringung der Reste auch nicht mehr in Betrieb und der Graben wurde mit Siedlungsabfall planiert. Dagegen sprechen allerdings die zahlreichen archäologischen Funde mit eindeutig rituellem Charakter (Holzer !!!), die ebenfalls in diesen Schichten gefunden wurden.

    Eine weitere mögliche Erklärung für die Herkunft der botanischen Reste, könnte die Abhaltung eines Festmahles gewesen sein. Im Zuge dieser Feier können die Pflanzenreste bei der Zubereitung der Speisen verkohlt sein. Die Reste des heiligen Mahles werden zu Ehren der Gottheit im Graben des Heiligtums deponiert. (siehe unten) Für den hohen Anteil an Grünlandpflanzen im Fundspektrum könnte die Verwendung von Dung als Heizmaterial sprechen.

    Rituelle Aspekte

    Neben den vegetationsgeschichtlichen und wirtschaftsgeschichtlichen Interpretationen sind die Ergebnisse der archäobotanischen Analysen auch und besonders vor dem archäologischen Kontext einer rituellen Nutzung der Strukturen zu betrachten.

    Das Opferritual als Weg der Kommunikation mit einer als transzendent betrachteten Jenseits- oder „Anderswelt" ist für alle modernen und für eine Vielzahl vergangener Kulturen belegt - seien ihre Glaubenswelten auch so verschieden wie die der römischen und griechischen Antike, der abrahamitischen Religionen oder der Stammeskulte der Zulu oder Polynesier (s. etwa Lambert 1993, Miller & Burger 1995, Douglas 1999, Leach 2003, Naiden 2006). Ein zentrales Element bei der Opferung ist stets das „Entrücken" der dargebrachten Objekte oder Lebewesen aus der materiellen Welt, indem sie in Gewässern deponiert, in zeremoniellen Festmahlen verspeist, verbrannt oder auf andere Weise zerstört (zerschlagen, verbogen) werden. Diese Vorgänge der Zerstörung - als Transformation erlebt - sollen durch das Beseitigen der materiellen Form oder Funktion Bestandteile der Opfergaben in die „Anderswelt" bringen (Lang 2002, Schwager 2002). Vor allem aus Gründen der Erhaltungswahrscheinlichkeit - verkohlte Pflanzenreste sind im Boden über Jahrtausende erhaltungsfähig - sind pflanzliche Opfergaben bislang vor allem aus Brandopferungen (für die Eisenzeit in Mitteleuropa vgl. etwa die übersicht in Heiss 2008) und aus Beigaben in Brandgräbern dokumentiert (für römerzeitliche Brandbestattungen vgl. etwa Kreuz 2000).

    Um überlegungen zur Rolle der Pflanzenreste im Tempelbezirk von Roseldorf anstellen zu können, muss also zunächst ihre Taphonomie eingehend geklärt werden. In Zusammenschau mit den archäologischen und archäozoologischen Befunden ergibt sich zunächst folgende Ausgangslage: es hat eine Deponierung von Artefakten und Tieren in der Grabenanlage des großen Heiligtums stattgefunden. Die Untersuchungen an Menschenknochen weisen darauf hin, dass diese Deponierung aber mit großer Wahrscheinlichkeit erst im Rahmen einer Sekundärbestattung erfolgt ist (Teschler-Nicola et al. 2009). Eine sekundäre Deponierung ist auch für die Tierknochen und die Pflanzenreste denkbar.

    Die Anwesenheit verkohlter Pflanzenreste ist ein klarer Beleg für das Auftreten von Feuer. Jedoch weist der umfangreiche archäozoologische Befund bislang auf ein durchgängiges Fehlen von Feuereinwirkung auf die Knochen hin (Bruckner-Höbling 2009, Teschler-Nicola et al. 2009), wie sie bei einer Brandopferung zu erwarten ist (vgl. Weiss 1997, sowie die Zusammenstellung in Zanier 1999). Nur aus Objekt 14 (Opfergrube) konnte bislang ein einzelner kalzinierter (verbrannter) Knochensplitter angesprochen werden (Kunst, pers. Mitt.). Es ist also mit einiger Sicherheit davon auszugehen, dass beide Fundkategorien (also pflanzliche und tierische Reste) nicht gemeinsam Teile eines Brandopfers waren. Auch der archäologische Befund gibt keine Veranlassung, an Brandopfer zu denken (Holzer 2009).

    Haushaltsabfälle

    Festwiese

    Problem: keinerlei kalzinierte Knochen, aber verkohlte Pflanzenreste: Untersuchugen an Brandopferplätzen haben gezeigt, dass pflanzliche und tierische Opfergaben gemeinsam dargebracht worden sind (deshalb auch verk. Pflanzenreste u. kalz. Knochen vorhanden). Die Opferung der Pflanzen in Brandopfern ist für Roseldorf deshalb nicht sehr wahrscheinlich. Möglichkeit: die großen Mengen unverbrannter Knochen könnten auf Festmahle hindeuten (s. Verbund-Publi Archäozoologie) - die Pflanzenreste (viel Getreide etc!) könnten im Zuge der Nahrungszubereitung für diese Mahle zufällig verkohlt sein.

    Alternative Erklärung bzw. trivialste: es handelt sich einfach um ganz normale Siedlungsabfälle aus den Gebäuden rund um das Heiligtum (gibt es die in unmittelabrer Nähe), die in den Graben gekehrt/geweht wurden...

    Evtl. Dekorfunktion der Funde Crataegus u. Sorbus - waren im südl. Bereich des Heiligtums. ABER: Wenn sie als Verzierung dienten, wie konnten sie verkohlen?? Dafür wäre z. B. ein Schadfeuer notwendig.

    Zusammenfassung / Abstract

    Die wichtigsten Nahrungspflanzen der keltischen Siedler vom Sandberg waren: Einkorn, Dinkel, Gerste, Hirse und wahrscheinlich Roggen; dazu kommen Erbse, Linse, Leindotter und Schlafmohn.

    Auffällig ist das Fehlen der Saubohne - Vicia faba. Sie heißt nicht umsonst „Keltische Bohne" und ist auf jeden Fall in der Siedlung zu erwarten.

    Ein Sonderfund aus dem Heiligtum ist der Kultur-Wein. Hier sind wir sehr gespannt, ob er sich auch in den Wohnhäusern der Siedlung nachweisen lässt und ob sich schlüssige Hinweise auf einen eigenständigen Weinbau ergeben!

  9. Die Ackerunkräuter aus dem Getreidespeicher belegen sowohl Sommer- als auch Wintergetreideanbau und eine sehr sorgfältige Saatgut-Reinigung.
  10. Unter den Wildpflanzen sind vor allem die vielen Grünlandarten bemerkenswert. Sie weisen auf die hohe Bedeutung der Viehwirtschaft hin und liefern Belege für das große Einzugsgebiet der Siedlung, das sich zumindest bis zu den Silikatstandorten des Manhartsberges erstreckt hat.
  11. Waldpflanzen sind vor allem durch Sammelpflanzen vertreten.
  12. Für Beziehungen zwischen dem Heiligtum und möglichen Kultplätzen rund um die Feenhaube gibt es botanische Indizien. Sie müssten aber noch durch archäologische Funde untermauert werden.
  13. Dank
  14. Für die Einladung an der wissenschaftlichen Bearbeitung der Grabung Sandberg teilzunehmen und für die überaus entgegenkommende Unterstützung in jeglichen archäologischen Fachfragen bedanken wir uns an erster Stelle herzlich bei Dr. Veronika Holzer (Naturhistorisches Museum Wien). Für die Finanzierung der Analysen sei neben dem Naturhistorischen Museum Wien auch dem Land Niederösterreich, dem Historisch-Archäologischen Verein Platt sowie der österreichischen Hagelversicherung auf das Herzlichste gedankt.

  15. Literatur
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